Kultur und Alltag in Belgien
Belgien regelt Streit über den Kompromiss statt über die Ansage: Kritik wird höflich verpackt, deutsche Klartext-Direktheit wirkt hier schnell grob. Dazu kommt die Sprachgrenze – wer in Gent das Rathaus auf Französisch anspricht, bekommt die Antwort trotzdem auf Niederländisch.
Was gut ankommt
- Erst die Region klären, dann die Sprache wählen
- Ein paar Brocken Niederländisch oder Französisch lernen
- Kompromisse anbieten statt Positionen verteidigen
Was man besser lässt
- In Flandern selbstverständlich Französisch losreden
- Belgien als kleines Holland oder Nordfrankreich abtun
- Den Sprachenstreit am Tisch zum Thema machen
Kennenlernen, Freundschaft, Familie
Kennengelernt wird über Arbeit, Studium und Freundeskreis, Apps vor allem in Brüssel und Antwerpen. Belgier brauchen ein paar Runden, bis sie dich nach Hause einladen – danach bleibt es verlässlich. Familie heißt Sonntag: Besuch bei den Eltern, Gebäck vom Bäcker, Kinder selbstverständlich mit am Tisch.
Verständigung
- Sprachen: Niederländisch, Französisch, Deutsch
- Reicht Englisch?: Im Alltag meist ja
Regeln, die überraschen
- Anmeldung: Anmeldung binnen acht Werktagen bei der Gemeinde; danach prüft ein Quartierpolizist unangekündigt, ob du dort wirklich wohnst. Ausweis ab 15 immer dabeihaben.
- Abgaben: Höchste Abgabenlast der OECD – 52,5 % der Arbeitskosten. Deutschland liegt mit 49,3 % allerdings direkt dahinter auf Platz zwei, der Unterschied ist also kleiner als der Ruf. Dazu kommt eine Gemeindesteuer auf die Einkommensteuer.
- Amtssprache: Die Sprachgrenze ist Gesetz: nördlich Niederländisch, südlich Französisch, in den Ostkantonen Deutsch. Behörden dürfen Anträge in anderer Sprache ablehnen.
- Umweltzonen: Brüssel, Antwerpen und Gent haben kameraüberwachte Umweltzonen. Ausländische Kennzeichen vorher kostenlos registrieren, sonst bis zu 350 € Bußgeld.
- Cannabis: Anders als in Deutschland verboten. Bis drei Gramm zum Eigenbedarf werden niedrig priorisiert, ein Bußgeld kann trotzdem kommen.
Gesellschaft
Im Alltag liberal, pragmatisch und wenig moralisierend. Die Sprachgrenze teilt aber Medien, Parteien und Bekanntenkreise so weit, dass man in Flandern und der Wallonie faktisch in zwei Öffentlichkeiten lebt.